War seit 1924 Palazzo Vistarini der Sitz der Tacchinardi, so lag dieser über ein Jahrhundert davor in Via Gaffurio (heutige Via Gabba) ... aber Standorte und Räume stellen nur eine Passage innerhalb der Realität der Konditorei Tacchinardi dar, die sich in Wahrheit durch eine starke Präsenz im Leben der Stadt Lodi auszeichnet und heute ihren modernen Sitz in Cornegliano Laudense hat. Konditoreikunst ist nicht wegzudenken von religiösen Festen, Studienabschlussfeiern und Hochzeiten: und so wurde die Konditorei, die Buvette und die Cafeteria, sowie der von den Tacchinardi zwei Generationen vor der Entstehung des “Königreichs Italien” geschaffene Weinausschank in Lodi von österreich-ungarischen und piemontesischen Prinzen und Königinnen… Anwälten und Bauern, unzähligen aus der Poebene stammenden Pärchen, und während des letzten schlimmen Krieges, auch von Partisanen und Stadt oberhäuptern besucht. Und als es wieder aufwärts ging, zählte auch das kleine beschauliche Italien des Fiat 600 und des Wirtschaftsbooms zu den Gästen. Es ist daher schwierig, die Jahrzehnte mit all ihren Wandlungen zu beschreiben; einfacher ist es dagegen, sich an der Geschichte der Tacchinardi zu orientieren, die mit ihrer ununterbrochenen Energie untrennbar mit Lodi verbunden ist. Alles begann zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Carlo Tacchinardi und seiner Frau Maddalena Bocco¬ni. Jahre später finden wir diese wieder als glückliche Eltern, die dem Pfarrer der Kathedrale ihre beiden Söhne zur Taufe bringen: 1826 Gaetano und 1833 Giovanni. Gaetano, der im standesamtlichen Register der Gemeinde Lodi als einflussreicher Kaufmann eingetragen ist, stirbt im Haus der Familie in via Gaffurio am 6. Februar, nachdem er die Familienaktivitäten geführt hatte, und setzt seinen Sohn Alessandro als Erben und Fortsetzer der Konditorei tradition ein (Lodi 16.10.1856 – Lodi 27.10.1941). Dessen Bruder Giovannider ebenso als Kaufmann registriert ist, bleibt dagegen unverheiratet, sondern nimmt aktiv am bürgerlichen und gesellschaftlichen Leben der damaligen Stadt Lodi teil, und zwar so sehr, dass bei dessen Tod mit 70 Jahren im Jahr 1904 alle lokalen Zeitungen mit Ergriffenheit ihre Trauer bekundeten. Nachfolgend ein Auszug: “Er liebte – wie man nur lieben kann – seine Familie, Verwandten, Freunde – und sein Lodi. Aus dem Arbeitermilieu kommend, schätzte er den Arbeiter und unterstützte diesen. In den öffentlichen Behörden bewies er – über viele Jahre hinweg - geistigen Scharfsinn, außergewöhnliche Bescheidenheit und höflichen Umgang“ (Fanfulla da Lodi – Jahr XXXI – Samstag 11/6/1904 – Stadtbibliothek Lodi). Sein Neffe Alessandro, der als wohlhabender “Konditor” (standesamtliches Register von Lodi) eingetragen ist, setzt nach dessen Tod die Geschäfte fort und übergibt nach seinem Ableben im Jahr 1941 die Tradition an den letzten Erben, seinen Sohn Gaetano. Vater Alessandro, „el siur Lisander“, ein „arbiter
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